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So sind wir auf's Fjordpferd gekommen

Marliese auf ThitIm "zarten" Alter von 48 Jahren beschloss meine Frau Marliese, sich ihren lang ersehnten Kindertraum vom Reiten zu erfüllen. Im nahe gelegenen Hüslihof buchte sie Reitstunden. Für sagenhafte 15Fr./Std wurde da Reitunterricht angeboten. Durch diesen günstigen Preis wurde es vielen Kindern und  auch Erwachsenen ermöglicht, das Reiten in seinen Grundzügen zu erlernen. In der ersten Reitstunde wurde ihr die 18jährige Fjordstute Thit zugeteilt. Es war die viel zitierte Liebe auf den ersten Blick. Mopsy, wie Thit auch liebevoll genannt wurde schien diese Liebe auch sofort zu erwidern. Nach etwa 6 Monaten kam Marliese und der Reitlehrerin Silke die Idee mich zu einer Probelektion zu überreden. Da ich in jungen Jahren in Kairo ein beinahe traumatisches Reiterlebnis hatte und ich mir damals schwor, niemals mehr auf eine solche "Bestie" zu steigen, sträubte ich mich natürlich dagegen. Aber dann erklärte ich mich bereit mal bei einer Reitstunde nur zuzuschauen.

Meine erste ReitstundeDa Silke sehr sympathisch und das Schulpferd Thit einen ruhigen und friedlichen Eindruck machte, liess ich mich schliesslich doch überreden mal draufzusitzen. Das arme, kleine Pferdchen (137cm, ich 182cm) schien mir damals riesengross zu sein. Thit war ein routiniertes Reitschulpferd und sie spulte ihr Reitstundenprogramm fast von alleine ab. So hatte ich bald das Gefühl, dass Reiten ja gar nicht so schwer ist. Nach zwei, drei Reitstunden durfte ich schon mit ins Gelände und so hatte mich der Pferdevirus dann auch voll erwischt.

Mopsy mit ihren Shetty'sBald darauf wurde der Reitschulbetrieb im Hüslihof aufgelöst und für die Pferde wurden Plätze gesucht. So kam es, dass Thit unser erstes, eigenes Pferd wurde. Sie kam zu zwei Shettys in einen Offenstall mit grossem Auslauf. Die Kleinen "adoptierte" sie sofort und behandelte sie fast wie ihre Fohlen. Es war ein richtiger Glücksfall. Wir unternahmen einige sehr abenteuerliche Ausritte, denn wir mussten sehr bald feststellen, dass unser reiterliches "Können", in einer fremden Umgebung, rasch an seine Grenzen stiess.  

Marliese und Silke im Gelände  Es mussten einige Kämpfe ausgefochten werden, wenn es darum ging zu entscheiden welcher Weg gegangen werden sollte. Da Thit's neues Zuhause nur etwa 5km vom alten entfernt war, wählte sie oft den falschen Heimweg und es brauchte einige Überredungskunst um sie vom Gegenteil zu überzeugen. Aber nichtsdestotrotz, es war eine sehr schöne Zeit!

Im März beschloss unsere Stallbesitzerin, dass alle Pferde nach Steg im Tösstal müssen, damit sich die Weiden im Frühling erholen können. Somit nahm das Schicksal seinen Lauf! In dem Offenstall in Steg, wo bis zu 30 verschiedenste Pferde einfach so zusammen eingestellt wurden, kam es dann zu einem merkwürdigen Unfall, auf den ich nicht näher eingehen möchte. Nur soviel: Thit hatte sich hinten links die Bänder abgerissen und musste liegend ins Tierspital transportiert werden. Dort wurde alles unternommen um sie zu retten. Sie wurde operiert und es sah erst gar nicht so schlecht aus. Doch leider kam es zu Komplikationen und sie musste nach 2Wochen eingeschläfert werden.

Die Jungmannschaft im Gestüt SvenstrupIm Tierspital lernte Marliese eine junge Praktikantin kennen, die ihr mit Begeisterung erzählte, dass sie in Solothurn auch eine Fjordstute reitet: Fiorina! Über den Verlust von Thit waren wir natürlich sehr traurig und es fehlte uns plötzlich an Beschäftigung. Also musste wieder ein Pferd her. Im "Pegasus" war ein Bericht über die Fjordpferdezucht Svenstrup in Solothurn erschienen und so beschlossen wir uns die Zucht mal anzuschauen.

Fiorina bei der BegutachtungEs gab da Fjordpferde jeden Alters, aber nur eine berittene Stute stand zum Verkauf: Fiorina! 

Ja, es war die Fiorina von der jungen Praktikantin vom Tierspital. Zufälle gibt's! Nach einer Begutachtung und einem kurzen Proberitt, und nicht zuletzt dank ihrem lieben Charakter, wechselte dann Fiorina ihre Besitzerin. Wir erfuhren dann erst nach und nach, dass die Züchterin Fiorina richtig hasste, da sie eine sehr dominante Stute ist. Auf dem Transport zu ihrem neuen Domizil "verhexte" Fiorina sogar das Zugfahrzeug, so dass wir etwa 5km vor dem Ziel mit dampfendem Motor stehen blieben. Diagnose: Die Zylinderkopfdichtung war am A.... So ging fast die Hälfte des Kaufpreises für die Autoreparatur flöten. 

Merliese mit Fiorina

Fiorina ist immer für eine Überraschung gut: So z.B. als ich sie bei einem Ausritt an einem Rastplatz im Wald tränken wollte, stieg sie samt Reiter mit den Vorderbeinen in den Holzbrunnen um ein bisschen zu planschen. Zum Glück hielt der Brunnentrog dem Gewicht stand; denn da stand eine Tafel mit dem Hinweis, man solle der Anlage Sorge tragen. So erfuhren wir dann im nachhinein, dass sie als Fohlen gerne in der Badewannen-Tränke auf der Weide ein Bad nahm. Man kann ruhig sagen, dass es einem mit Fiorina garantiert nie langweilig wird.

Hengstfohlen GalandoDa es unser Ziel war gemeinsame Ausritte zu unternehmen, was mit einem Pferd relativ schwierig ist, stellten wir Überlegungen an ein zweites Pferd zu kaufen. An der Ponyschau in Langenthal wurden viele junge Fjordis vorgestellt unter anderen auch das Hengstfohlen Galando. Die Besitzerin wollte Galando nach der Ausstellung dem Metzger verkaufen, wenn sie sonst keinen anderen Käufer finden würde. Also kauften wir, und unsere Züchterin je ein Fohlen um es so vor dem Schlachter zu bewahren. Zur Aufzucht und Beritt gaben wir Galando in den Stall Svenstrup in Solothurn.

Fohlenweide im JuraWir besuchten natürlich Galando regelmässig auch als er auf der Fohlenweide im Jura war. Auf einem unserer Besuche erfuhren wir, dass die rotfalbe Stute Svenja verkauft war. Svenja war mir schon aufgefallen als wir Fiorina das erstemal begutachtet hatten. Nur war Svenja damals noch nicht angeritten und kam deshalb für uns nicht in Frage. Sie blieb vorläufig im Stall Svenstrup, bis die neuen Besitzer ihr neues Haus gebaut hatten. Irgend etwas ging dann allerdings mit dem Hausbau schief, so dass sie vom Pferdekauf zurücktraten. Da man Galando erst in zwei Jahren anreiten konnte und ich ja schon lange mit Svenja geliebäugelt hatte, gaben wir Galando für Svenja an Zahlung und so kamen wir dann in den Besitz von Svenja.

SvenjaLaut Züchterin sollte Svenja eigentlich ein ganz normales durchschnitts Fjordfperd sein. Aber auch sie hat so ihre Macken.

So z.B. auf einem unserer ersten Ausritte im herbstlichen Wald. Als wir kurz im Laub stehen blieben, legte sie sich kurzerhand mit mir obendrauf auf den Boden und wollte sich gleich wälzen. Ich hatte natürlich Angst um meinen neuen, teuren Sattel und stemmte mit dem Bein gegen ihren Körper damit sie sich nicht auf den Rücken legen konnte. Weil das kleine "Luder" so nicht rumkam, stand sie kurzerhand wieder auf und marschierte weiter wie wenn nichts gewesen wäre. Von da an war ich natürlich darauf vorbereitet und passte höllisch auf. Bei einer anderen Gelegenheit warf sie sich einfach hin, als hätte sie einen Genickschuss erhalten. Ich bekam einen riesen Schreck, denn ich dachte sie hätte einen Herzschlag erlitten. Bis ich dann gleich darauf bemerkte, dass sie sich nur wieder wälzen wollte. Aber eben, Svenja ist ein völliges durchschnitts Fjord!

Übrigens, Galando wurde auch an einen schönen Platz bei einer Familie platziert, wo er dann für therapeutisches Reiten eingesetzt werden soll.

So sind wir also auf's norwegische Fjordpferd gekommen!

So, nun geht die Geschichte weiter!

Mittlerweile haben wir Fiorina und Svenja schon seit 8 bzw. 7 Jahren in unserem Besitz. Da wir auch keine Fünfzig mehr sind und immer knackiger werden (einmal knackt es im Rücken, dann im Knie usw.) haben wir beschlossen auf die Kutsche umzusteigen. Dies obwohl wir viele schöne Ausritte erlebt haben.

Allerdings haben wir auch einige Rückschläge mit Reitunfällen die zum Teil mit Spitalaufenthalten gekoppelt waren erlitten. So z. B. das letzte mal als Fiorina Marliese aus bisher ungeklärter Ursache (die Gründe werden wahrscheinlich nie geklärt werden, ausser Fiorina würde noch das Sprechen lernen) hinter uns abgeladen hatte und reiterlos an uns vorbeigeprescht ist. Svenja liess sich dabei natürlich nicht lumpen und versuchte auf Teufel komm raus Fiorina einzuholen. Mit dem Reitergewicht war das aber schwierig worauf sie sich entschloss sich des Reiters (mich) zu entledigen. Vom Boden aus sah ich die beiden Fellnasen im Wald entschwinden, sortierte meine Knochen wieder etwas und machte mich auf die Suche nach Marliese, die ich nach etwa 200m auf der Waldstrasse liegend fand. Nachdem der Stallbesitzer uns und die Pferde wieder eingesammelt hatte konnten wir uns an die Schadenserhebung machen. Ich hatte nur einen Totalschaden am Helm (den Dachschaden hatte ich schon vorher). Marliese hatte es weit schlimmer erwischt: Hirnerschütterung, Schleudertrauma und jene Prellungen!

Nun werden die Mädels eingefahren!
Die Idee vom Fahren hatte ich schon lange im Hinterkopf aber nachdem ich ein Buch darüber gelesen hatte dachte ich, dass der finanzielle und zeitliche Aufwand viel zu gross ist. Aber da das Reiten aus gesundheitlichen Gründen etwas in den Hintergrund gerückt und wir die Pferde in dem Alter nicht schon in Pension schicken wollten haben wir uns trotz allem dazu entschlossen.
     In relativer Nähe zu unserem Stall befindet sich das Kutschencenter Eglisau vom legendären Kutscher Toni Vogt. Was lag also näher als da mal anzufragen wie das mit dem Fahrenlernen für Pferd und Mensch sei.    
Wir wurden sehr freundlich  empfangen und es wurden gleich Nägel mit Köpfen gemacht. Wir erhielten leihweise ein Geschirr das wir zu Hause im Stall übungshalber den Pferden anlegen konnten. Es gibt anscheinend Pferde bei denen das bereits ein Problem darstellt. Unsrere Beiden liessen alles ruhig mit sich geschehen, auch das Hintergeschirr, die Zugstrangen an den Beinen und die Schweifmetze liessen sie völlig kalt.



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